Dimensionen des Sokratischen Dialogs


In Gesprächen steht eine verständigungsorientierte, in Diskussionen eine begründungsorientierte Dimension sprachlicher Kommunikation im Vordergrund. Im Sokratischen Dialog sind beide Ebenen enthalten.

Obgleich die frühen platonischen Dialoge über weite Strecken einem bestimmten "Strickmuster" folgen, leite ich aus ihnen weder in inhaltlicher noch in formaler Hinsicht eine spezifische Gesprächs- oder Diskussionstechnik ab, da ein derartiges "Kommunikationskorsett" der erforderlichen Offenheit philosophischer Gespräche mehr schaden als nützen würde.

Hinzu kommt, dass es heute gute Gründe geben mag, nicht nur in Anlehnung an sokratische Diskurselemente, sondern ebenso in expliziter Abgrenzung zu ihnen zu philosophieren.

Sokrates ist ja keineswegs nur "Provokateur" und Kritiker der Mächtigen, sondern zuweilen auch ein etwas "lustfeindlicher" und kopflastiger "Biedermann", dem eben die Erkenntnisse der modernen Ideologiekritik und das Werk Sigmund Freuds noch nicht zur Verfügung standen.

Dennoch sind meiner Erfahrung nach die folgenden Strukturelemente des Sokratischen Dialogs als Orientierungsrahmen für eine zeitgerechte Philosophische Praxis vorzüglich geeignet:

Der Sokratische Dialog als mäeutischer Prozess    

Der gesunde Menschenverstand ist kritisch zu hinterfragen    

Das Gespräch dient der gemeinsamen Wahrheitssuche    

"Im philosophischen Dialog stehen die Subjekte, nicht ihre Meinungen, auf dem Spiel" (Mittelstraß)    

Der Weg ist das Ziel



[Home]